DAS KÖNIGLICHE ARCHIV

Haus Castillon

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Wappen Haus Castillon
DIE ARCHIVE
HAUS CASTILLON
Elric Rowan
Bildnis Elric Rowans, Gardist des Hauses Castillon
— restauriert aus den Archiven —
Digitales Archiv des Hauses Castillon

Elric Rowan

Gardist des Hauses Castillon

„Nicht jeder trägt ein Wappen. Manche tragen nur ihren Eid." In diesen Hallen ruht die Chronik eines Mannes ohne Titel und ohne Wappen, dessen Name dennoch in den Wachbüchern von Güldenhof mit Bedacht geführt wird. Tretet ein, und lest, was die Zeit bewahrt hat.

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Erstes Blatt

Die Chronik

In welcher der Ursprung dieses Archivs erzählt wird.

Was Ihr hier betretet, ist keine bloße Sammlung von Namen und Daten. Es ist das gesammelte Gedächtnis eines Hauses, das seit Generationen über die westlichen Marken wacht. Jede Seite dieses Archivs wurde von Hand geführt, jede Zeile mit Bedacht gewählt.

Die Chronik des Hauses Castillon beginnt nicht mit einem Sieg, sondern mit einem Eid — geschworen von einfachen Männern und Frauen, die nicht nach Ruhm, sondern nach einer Aufgabe suchten, der sie treu bleiben konnten.

Elric Rowan ist einer jener Namen, deren Taten in diesen Bänden verzeichnet wurden — nicht wegen seiner Herkunft, sondern wegen seines Dienstes. Seine Geschichte beginnt in den folgenden Kapiteln.

Kapitel II

Elric Rowan

Gardist des Hauses Castillon
„Nicht jeder trägt ein Wappen. Manche tragen nur ihren Eid."
Herkunft

Elric Rowan wurde als Sohn eines Holzfällers und einer Kräuterkundigen in einem kleinen Dorf nahe der westlichen Wälder geboren. Seine Familie besaß weder Land noch Titel. Sie lebte von harter Arbeit und dem, was der Wald hergab.

Schon als Kind lernte Elric, dass Respekt nicht eingefordert wird. Man verdient ihn sich.

Sein Vater brachte ihm den Umgang mit Axt und Messer bei, seine Mutter Geduld und Besonnenheit. Beides begleitet ihn bis heute.

Als mehrere schlechte Ernten das Dorf in Armut stürzten, verließ Elric seine Heimat. Nicht auf der Suche nach Ruhm, sondern nach einer Zukunft.

Dienst im Hause Castillon

Von den großen Häusern des Reiches hörte Elric viele Geschichten. Über Castillon sprach man jedoch anders.

Man erzählte von einem Haus, das Ordnung über Chaos stellte und dessen Stärke nicht allein in Schwertern lag, sondern in Verstand, Disziplin und Wohlstand.

Das überzeugte ihn.

Er meldete sich freiwillig zum Wachdienst und trat als einfacher Gardist in die Dienste des Hauses Castillon.

Seitdem versieht er seinen Dienst ohne Anspruch auf Rang oder Titel.

Für Elric zählt nicht, wer man ist. Sondern ob man seinen Eid hält.
Persönlichkeit

Elric ist ein ruhiger und pflichtbewusster Mann.

Er spricht selten laut, hört lieber zu und beobachtet seine Umgebung aufmerksam.

Streit geht er aus dem Weg, solange Worte ausreichen.

Muss er handeln, zögert er jedoch nicht.

Er begegnet jedem Menschen zunächst mit Respekt.

Sein Ziel ist einfach: Am Ende eines Tages soll niemand behaupten können, er habe seinen Dienst vernachlässigt.
Kapitel III

Die Dienstjahre

„Ein Eid wird nicht gesprochen, um gehört zu werden. Er wird getragen, wenn niemand mehr zuhört."
Kindheit

Geburt als Sohn eines Holzfällers und einer Kräuterkundigen, in einem kleinen Dorf nahe der westlichen Wälder.

Jugend

Sein Vater lehrt ihn den Umgang mit Axt und Messer, seine Mutter Geduld und Besonnenheit.

Schlechte Jahre

Mehrere schlechte Ernten stürzen das Dorf in Armut. Elric verlässt seine Heimat — nicht auf der Suche nach Ruhm, sondern nach einer Zukunft.

Ankunft in Güldenhof

Freiwillige Meldung zum Wachdienst; Aufnahme als einfacher Gardist in die Dienste des Hauses Castillon.

Heute

Gardist des Hauses Castillon — wacht über den Frieden hinter dessen Toren und Mauern, ohne Anspruch auf Rang oder Titel.

Das erste Jahr in Güldenhof

Als Elric Rowan zum ersten Mal die Tore von Güldenhof durchschritt, erwartete er eine Festung. Er erwartete Mauern. Wachen. Speere. Doch was er fand, war etwas anderes.

Güldenhof war keine Burg, die durch Angst regierte. Es war ein lebendiger Organismus. Händler eilten durch die Straßen. Schreiber trugen Kisten voller Verträge. Kaufleute stritten über Preise. Boten aus fernen Ländern brachten Nachrichten über Kriege, Bündnisse und neue Handelswege.

Zum ersten Mal verstand Elric, weshalb Haus Castillon so mächtig war. Nicht wegen seiner Soldaten. Nicht wegen seiner Burgen. Sondern weil jeder Weg irgendwann zu ihnen führte.

Ein alter Verwalter sagte ihm bei seiner Ankunft:

„Junge Wächter glauben, Macht sitzt auf einem Thron. Die meisten merken erst zu spät, dass sie längst an einem Schreibtisch sitzt."

Diese Worte blieben ihm im Gedächtnis.

Der Mann hinter dem Gold

Viele erwarteten, dass Elric Schwierigkeiten mit Lord Adrian Castillon haben würde — ein einfacher Gardist ohne Namen von Rang, im Dienst einer Familie, deren Einfluss auf Münzen und Verträgen beruhte. Doch Adrian überraschte ihn.

Lord Adrian war kein kalter Händler. Er war ein Mann, der Menschen verstand. Er konnte einen Raum betreten und innerhalb weniger Minuten wissen, wer ihn bewunderte, wer ihn beneidete und wer ihn belog. Elric erkannte schnell: Adrian gewann keine Menschen durch Befehle. Er gewann sie durch Vertrauen — eine Eigenschaft, die Elric selbst niemals vollständig besitzen würde.

Während Adrian sprach, beobachtete Elric. Während Adrian Türen öffnete, sorgte Elric dafür, dass niemand durch sie eindrang. Zwei verschiedene Männer. Zwei verschiedene Wege. Doch dasselbe Ziel.

Die Schatten von Lady Daelena

Wenn Lord Adrian das Gesicht Castillons war, dann war Lady Daelena sein Verstand. Viele am Hof unterschätzten sie — ein Fehler, den Elric niemals machte.

Er erinnerte sich an seinen ersten Bericht über eine mögliche Bedrohung für Güldenhof. Er hatte mehrere Tage Informationen gesammelt und legte seine Einschätzung vor. Lady Daelena las den Bericht. Dann stellte sie nur eine Frage:

„Warum möchte dieser Mann, dass ihr glaubt, er wäre euer Feind?"

Elric schwieg. Er hatte den Mann beobachtet. Sie hatte die Absicht dahinter gesehen. In diesem Moment verstand er den Unterschied zwischen einem guten Kämpfer und einem wahren Strategen. Ein Schwert kann einen Gegner besiegen. Verstand verhindert, dass der Kampf überhaupt beginnt.

Der Gardist von Castillon

Elric wurde nicht wegen seines Namens Gardist. Nicht wegen seiner Herkunft. Und nicht wegen politischer Verbindungen. Er wurde gewählt, weil er eine Eigenschaft besaß, die selten geworden war: Er blieb.

Viele Männer wollten die Nähe zur Macht. Viele Wachleute suchten Anerkennung. Elric wollte sicherstellen, dass andere ihre Geschichten überhaupt erleben konnten. Seine Aufgaben waren unspektakulär: Er überprüfte die Wachen, begleitete wichtige Gäste, überwachte Reisen, sicherte Handelskarawanen. Er stand nachts vor Türen, hinter denen wichtige Entscheidungen getroffen wurden. Und während andere schliefen, blieb er wach.

Die Karawane von Westerfeld

Seine erste wirkliche Prüfung im Dienst Castillons kam nicht auf einem Schlachtfeld. Sondern auf einer Handelsstraße. Eine Karawane mit seltenen Gewürzen, Stoffen und Handelsbriefen sollte nach Güldenhof zurückkehren — ein Auftrag, der zunächst einfach erschien.

Doch wenige Meilen vor der Stadt wurde die Gruppe angegriffen. Nicht von gewöhnlichen Räubern. Die Angreifer kannten die Route, die Anzahl der Wachen, welche Wagen wertvolle Fracht trugen. Elric erkannte: Dies war kein Überfall. Es war geplant.

Statt die Angreifer sofort zu verfolgen, ließ er die Karawane sichern. Einige seiner Männer hielten dies für Feigheit. Doch Elric wusste: Ein Wächter, der blind seinem Zorn folgt, schützt niemanden.

Drei Tage später führte seine Spur zu einem Händler, der selbst Teil des Handelsnetzes von Castillon gewesen war — ein Mann, der glaubte, Gold könne jede Schuld bezahlen. Er hatte vergessen: Gold besitzt nur Macht, solange jemand seine Regeln schützt.

Der Preis der Pflicht

Der Vorfall machte Elric bekannt. Nicht als Held. Nicht als großer Krieger. Sondern als jemand, der Entscheidungen traf. Doch Ruhm brachte auch Erwartungen. Und Erwartungen brachten Last.

Denn Elric begann zu erkennen: Je näher man der Macht kommt, desto weniger Menschen zeigen ihr wahres Gesicht. Freundschaften wurden komplizierter. Gespräche vorsichtiger. Ein Kompliment konnte eine Falle sein. Ein Geschenk konnte eine Forderung enthalten. Ein Lächeln konnte eine Drohung verbergen.

Güldenhof lehrte ihn etwas, das sein Vater nie gekonnt hätte: Im Krieg kämpft man gegen Feinde. Am Hof kämpft man gegen Unsicherheit.

Die Frau aus dem Garten

Unter all den Geheimnissen und Pflichten gab es etwas, das Elric nie vollständig kontrollieren konnte. Sein Herz.

Es geschah während eines Frühlingsfestes in Güldenhof. Eine junge Frau aus einer befreundeten Familie sprach ihn an — nicht wegen seiner Rüstung, nicht wegen seines Ranges, sondern weil sie bemerkte, dass er während des Festes lieber die Menschen beobachtete als im Mittelpunkt zu stehen.

Sie fragte: „Rowan, bewachen Sie immer nur Türen?" Elric antwortete: „Meistens." Sie lächelte. „Dann müssen Sie viele interessante Dinge sehen, die andere verpassen." Es war eines der wenigen Male, dass Elric nicht sofort eine Antwort fand.

Sie verbrachten einige Wochen miteinander. Keine große Romanze. Keine verbotene Liebe. Nur zwei Menschen, die für kurze Zeit vergaßen, welche Rollen sie spielen mussten. Doch am Ende trennten sich ihre Wege. Denn Elric hatte einen Eid. Und sie hatte eine Zukunft, die nicht an einen Gardisten gebunden sein sollte. Bis heute bewahrt er ihren letzten Brief. Nicht aus Hoffnung. Sondern aus Erinnerung.

Der Geruch der Wahrheit

Mit den Jahren lernte Elric, seine ungewöhnliche Schwäche zu verstecken. Seine empfindlichen Sinne blieben jedoch ein ständiger Kampf. Bei Festmahlen musste er oft gegen seinen eigenen Körper ankämpfen: zu starke Parfüms, verdorbene Speisen, schmutzige Kleidung, der Geruch überfüllter Hallen. Manchmal bemerkten andere sein kurzes Zögern. Doch niemand wusste warum.

Ein alter Soldat sagte einmal: „Ihr habt eine seltsame Gabe, Rowan. Ihr bemerkt Dinge, bevor sie passieren." Elric antwortete: „Manchmal wäre es einfacher, sie nicht zu bemerken."

Der Mann, der er wurde

Heute ist Elric Rowan weder ein Held aus alten Liedern noch ein Mann von Rang und Namen. Er besitzt kein Land. Keine Armee. Keine Reichtümer. Doch er besitzt etwas, das ihm niemand nehmen kann: sein Wort.

Unter den Dienern Castillons gilt er als zuverlässig. Unter den Soldaten als fair. Unter den Höflingen als schwer einzuschätzen. Denn niemand weiß genau, was in seinem Kopf vorgeht. Vielleicht liegt genau darin seine Stärke.

Archivmeister Corvin Hale, Güldenhof
„Elric Rowan ist kein Mann, der nach Ruhm sucht. Das macht ihn gefährlicher als jene, die danach verlangen. Denn ein Mann ohne Hunger nach Anerkennung kann Entscheidungen treffen, die andere nicht wagen."
„Er kam ohne Namen von Gewicht und ohne Land. Doch was er mitbrachte, wog schwerer als beides: einen Eid, den er niemals brach, und eine Pflicht, die er niemals vernachlässigte."
— Aus den Chroniken von Haus Castillon
Charakter

Tugenden

„Für Elric zählt nicht, wer man ist. Sondern ob man seinen Eid hält."

Pflichtbewusst

Am Ende eines Tages soll niemand behaupten können, er habe seinen Dienst vernachlässigt.

Loyal

Was er einmal verspricht, hält er — ohne Anspruch auf Rang oder Titel.

Ruhig unter Druck

Muss er handeln, zögert er nicht — doch er handelt nie aus Aufgeregtheit.

Ehrlich

Er spricht selten laut, aber was er sagt, ist wahr.

Diszipliniert

Streit geht er aus dem Weg, solange Worte ausreichen — Pflicht steht über Stimmung.

Gute Menschenkenntnis

Hört lieber zu und beobachtet seine Umgebung aufmerksam.

Zuverlässig

Wer ihm eine Aufgabe überträgt, muss sie kein zweites Mal erwähnen.

Besonnen

Begegnet jedem Menschen zunächst mit Respekt, bevor er urteilt.

Schatten

Schwächen

Auch ein Chronist muss die dunkleren Seiten festhalten.

Überempfindlicher Geruchssinn

Elric nimmt Gerüche deutlich intensiver wahr als andere. Schmutz, Schweiß oder Verwesung belasten ihn spürbar, auch wenn er versucht, sich nichts anmerken zu lassen.

Frauen

Eine hübsche Frau bringt ihn schneller aus der Fassung, als ihm lieb ist. Er verliert dabei nicht den Kopf, wird jedoch oft ungewohnt höflich und zurückhaltend.

Misstrauisch

Fremden schenkt Elric nur langsam Vertrauen. Er beobachtet Menschen lieber eine Weile, bevor er sich ein Urteil bildet.

Zu viel Verantwortung

Er übernimmt häufig Aufgaben, die nicht seine eigenen sind, weil er ungern zusieht, wenn Arbeit liegen bleibt.

Stur

Hat Elric eine Entscheidung getroffen, fällt es ihm schwer, von dieser wieder abzurücken — selbst wenn andere gute Argumente haben.

Kapitel IV

Die Briefe aus Güldenhof

„Ein gesprochenes Wort verschwindet mit dem Wind. Ein geschriebener Eid bleibt länger als der Mann, der ihn schrieb."

Tief unter den Hallen von Güldenhof, dort wo die ältesten Verträge des Hauses Castillon aufbewahrt werden, liegt ein Raum, den nur wenige betreten: die Kammer der versiegelten Worte. Hier liegen keine Handelsbücher, keine Steuerlisten — sondern private Briefe, persönliche Aufzeichnungen, Geständnisse, Warnungen, Erinnerungen. Man sagt, ein Mensch zeigt sein wahres Gesicht nicht vor einer Menge, sondern auf einem Stück Papier, das niemand lesen sollte.

Der Brief seines Vaters
Aus dem Dorf nahe der westlichen Wälder — Elrics erstes Jahr bei Castillon
„Mein Sohn, als du diese Zeilen liest, wirst du vermutlich weit entfernt von den Wäldern stehen, die dich großgezogen haben. Vielleicht fragst du dich, ob du dein Zuhause verlassen hast. Das hast du nicht. Ein Zuhause besteht nicht aus Land, nicht aus Gold, nicht aus einem Namen mit Gewicht. Es besteht aus dem, was man daraus macht.

Wir hatten nie viel. Kein Land, das uns gehörte. Keine Truhen voller Münzen. Nur das, was der Wald hergab, und das, was wir uns selbst erarbeiteten. Manche werden dir sagen, das mache dich zu weniger. Lass sie. Denn sie verstehen nicht, was deine Mutter und ich dir beizubringen versuchten: Ein Mann ohne Gold kann reich werden. Ein Mann ohne Wort bleibt arm, selbst wenn seine Truhen voll wären.

Trage deinen Eid nicht wie eine Krone. Trage ihn wie ein Versprechen.
Dein Vater"

Elric bewahrte diesen Brief nicht in einer Truhe, nicht in seinem Zimmer. Er trug ihn immer bei sich — gefaltet, abgenutzt, mit den Spuren vieler Jahre.

Der Brief von Lord Adrian Castillon
Siegel: ein goldener Löwe auf schwarzem Wachs — Güldenhof, vertraulich
„Elric Rowan, manche Männer kommen nach Güldenhof, weil sie etwas gewinnen möchten. Titel. Einfluss. Reichtum. Andere kommen, weil sie etwas verloren haben. Bei Euch war ich mir lange nicht sicher, zu welcher Sorte Ihr gehört. Nach den vergangenen Monaten habe ich meine Antwort gefunden: Ihr seid nicht hier, um etwas zu nehmen. Ihr seid hier, um etwas zu bewahren. Das ist eine seltene Eigenschaft.

Haus Castillon besitzt viele Männer mit Talent, mit Ehrgeiz, mit Schwertern. Aber wenige besitzen die Fähigkeit, stehen zu bleiben, wenn niemand zusieht. Deshalb trage ich Euch nicht nur als Gardisten ein. Sondern als jemanden, dem ich vertraue.

Möge Euer Eid niemals leichter sein als Euer Gewissen.
Adrian Castillon"

Dieser Brief wurde nie öffentlich gezeigt. Denn bei Haus Castillon gibt es einen Unterschied zwischen einem Diener und einem Vertrauten. Elric wurde zu Letzterem.

Die Notiz von Lady Daelena Castillon
Keine Unterschrift — keine offizielle Markierung
„Über Elric Rowan: Beobachtet ihn. Nicht, weil ich ihm misstraue. Sondern weil Männer wie er selten sind. Er hört mehr, als er spricht. Er sieht mehr, als er zeigt. Seine Schwäche ist dieselbe wie seine Stärke: Er fühlt Verantwortung stärker als andere. Ein solcher Mann kann einen Hof schützen. Aber er kann auch daran zerbrechen. Er muss daran erinnert werden, dass selbst ein Schild irgendwann repariert werden muss.
— D.C."

Lady Daelena war vermutlich die erste Person am Hof, die verstand, dass Elrics größte Gefahr nicht ein Feind war. Sondern er selbst.

Der Bericht eines Soldaten
Verfasser: Hauptmann Tomas Veyr — Betreff: Elric Rowan
„Ich habe viele Wächter gesehen. Männer, die laut sprechen. Männer, die ihre Rüstung polieren, bevor sie zum Dienst antreten. Männer, die lieber gesehen werden als zu arbeiten. Rowan ist anders. Er spricht mit Stallburschen genauso wie mit Herrschaften. Er kennt die Namen der Wachen. Er bemerkt, wenn jemand fehlt. Er bedankt sich bei Männern, die niemand bemerkt.

Einmal fragte ich ihn, warum er sich diese Dinge merkt. Seine Antwort war: 'Weil jeder Mensch wichtig genug ist, dass sein Fehlen bemerkt werden sollte.'

Ich kenne viele fähige Kämpfer. Aber wenige gute Männer."
Der ungesendete Brief
Keine Adresse. Kein Siegel. Nur ein Name: Aveline
„Ich habe lange überlegt, ob ich diese Zeilen schreiben soll. Nicht, weil ich keine Worte finde. Sondern weil manche Worte gefährlicher sind als Schwerter.

Ihr habt mich gefragt, warum ein Mann wie ich immer zwischen Pflicht und Freude steht. Die Wahrheit ist: Ich weiß es nicht. Vielleicht wurde ich zu lange daran erinnert, was verloren gehen kann. Vielleicht habe ich Angst, etwas zu lieben, das ich nicht beschützen kann.

Ihr wart einer der wenigen Menschen, bei denen ich vergessen habe, wer ich sein muss. Dafür danke ich Euch. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich gehen musste.
— Elric"

Dieser Brief wurde niemals abgeschickt.

Das Messer seines Vaters

In der Chronik von Güldenhof befindet sich ein letzter Eintrag — nicht über einen Sieg, nicht über eine Schlacht, sondern über ein Werkzeug: das Messer, das Elric von seinem Vater erhielt. Keine legendäre Klinge. Kein Wappenstück. Nur eine einfache Klinge, mit der ein Holzfäller seinem Sohn den Umgang mit Axt und Messer beibrachte.

Elric trägt es bis heute bei sich. Nicht als Waffe. Sondern als Erinnerung daran, woher er kommt.

Kapitel V

Die Stimmen um Elric Rowan

„Ein Mann erkennt seinen Ruf nicht daran, was seine Freunde über ihn sagen. Sondern daran, was seine Feinde über ihn erzählen."

In den Hallen von Güldenhof existiert ein Buch ohne offiziellen Titel, ohne Wappen auf dem Einband — nur eine schlichte schwarze Lederausgabe. Die Archivare nennen es das Buch der Stimmen. Darin: Berichte über jene, deren Weg sich mit dem Elric Rowans kreuzte. Manche loben ihn. Manche fürchten ihn. Alle erwähnen denselben Punkt — er ist schwer zu vergessen.

Garran Voss — Söldnerhauptmann, Rivale

Ein Mann aus den freien Kompanien, bekannt für seine Siege in Turnieren der Waffenplätze — das Gegenteil von Elric. Nach einem Wachwettstreit zwischen beiden schrieb Garran:

„Ich erwartete einen Mann, der versucht, mich zu beeindrucken. Stattdessen fand ich einen Mann, der versucht, mich zu verstehen. Das macht ihn gefährlicher. Ein Mann, der nur gewinnen möchte, kann vorhergesehen werden. Ein Mann, der seine Pflicht erfüllen möchte, nicht."

Trotz ihrer Rivalität entwickelte sich zwischen beiden ein widerwilliger Respekt. Freunde würden sie nie werden — doch beide wussten: Wenn Gefahr droht, würden sie Seite an Seite stehen.

Hauptmann Tomas Veyr — Waffenbruder und Freund

Einer der wenigen, die Elric wirklich kannten — seine empfindliche Nase, seine schlaflosen Nächte, seine Angewohnheit, Verantwortung für fremde Lasten zu übernehmen. Einmal sagte Tomas zu ihm: „Ihr versucht, jede Mauer selbst zu halten." Elric antwortete: „Wenn ich loslasse, fällt vielleicht jemand anderes." Tomas schüttelte den Kopf:

„Nein, Rowan. Wenn Ihr nie loslasst, fällt irgendwann Ihr selbst."

Seit diesem Tag war Tomas einer der wenigen Männer, die Elric widersprachen. Und genau deshalb vertraute Elric ihm.

Marek der Händler — alter Bekannter aus der Heimat

Ein alter Mann, grauer Bart, immer nach Leder, Pfeifentabak und Pferden riechend. Er stammte aus derselben Gegend wie Elric und sagte über ihn:

„Der Junge trägt seine einfache Herkunft nicht wie eine Last. Er trägt sie wie eine Erinnerung. Vielleicht ist das der Grund, warum er Castillon versteht. Wer einmal wenig besessen hat, weiß den Wert von viel besser."

Marek war einer der wenigen Menschen, die Elric noch beim Namen seines Dorfes neckten. Nicht Gardist. Nicht Herr. Einfach: Elric.

Lord Varian Drake — Gegner von Haus Castillon

Nicht jeder im Reich bewunderte Haus Castillon. Lord Varian Drake betrachtete es als gefährlich — nicht wegen seiner Armee, sondern wegen seines Einflusses:

„Ein Schwert kann einen Mann töten. Gold kann entscheiden, welcher Mann überhaupt zum Schwert greift."

Er verachtete Castillon — und deshalb beobachtete er Elric. Denn er wusste: Ein Soldat folgt Befehlen. Ein Wächter entscheidet.

Gerüchte am Hof

„Er erkannte einen Attentäter, bevor dieser sein Messer zog."

Wahrheit: Elric bemerkte nur den Geruch eines ungewöhnlichen Öls an dessen Kleidung.

„Lady Daelena vertraut ihm mehr als ihren eigenen Spionen."

Wahrheit: Niemand weiß es. Aber niemand wagt zu behaupten, dass es unmöglich wäre.

„Er verließ eine Dame des Hofes wegen eines einzigen Blickes."

Wahrheit: teilweise. Elric wusste, dass Gefühle manchmal gefährlicher sind als Feinde.

„Er könnte längst Hauptmann der Wache sein, wenn er nur wollte."

Wahrheit: Man hat es ihm angeboten. Zweimal. Er lehnte beide Male ab.

Letztes Blatt

Vermächtnis

Was von einem Namen bleibt, wenn das Pergament vergilbt.

Manche Wächter werden für einen einzigen Tag der Gefahr erinnert. Elric Rowan wird erinnert für die vierzehn Jahre, in denen kein einziger Tag der Pflicht ihn wanken sah.

Sein Name steht heute in den Wachbüchern neben jenen, die das Haus Castillon durch die härtesten Winter trugen. Die Archive bleiben offen — für jene, die kommen, um zu lesen, und für jene, die einst kommen werden, um weiterzuschreiben.